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34. Chaos Communication Congress – Tag 1

Nachdem ich in den Vorverkaufsrunden leider erfolglos war, bin ich durch einen glücklichen Zufall noch an eine Karte für den 34C3 gekommen. Diese war für mich ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, da ich schon seit mehreren Jahren zum Chaos Communication Congress wollte, aber nie Zeit oder Tickets hatte. Diesmal habe ich beides. Also ging es nach den Weihnachtsfeiertagen auf nach Leipzig!

Bildergebnis für Eröffnung: tuwat

Begrüßt wurde ich auf dem Congress als erstes von einer wunderschön langen und schlecht organisierten Warteschlange. Wir nannten sie liebevoll “Heap”. Durch diese habe ich leider auch die Eröffnung verpasst und konnte von meinem ersten geplanten Vortrag nur noch das Ende verfolgen. Zum Glück reichte es noch, um ein paar Ideen über die Zukunft von künstlichen Intelligenzen aufzuschnappen. Und da fast alle Vorträge inzwischen als Video im Internet verfügbar sind, kann ich den Anfang von “Dude, you broke the future!” nochmal nachhohlen, wenn ich Zeit dafür habe. Bis dahin kann ich aber schonmal das Schluss-Statement des Vortrages spoilern:

Der erste vollständige Vortrag wurde damit für mich “Demystifying Network Cards”. Der Speaker gehörte von der Redegeschwindigkeit auch zum High Performance Segment, in einem Affenzahn hat er dabei die 30 Minuten mit einem 60 Minütigen Vortrag gefüllt. Grundsätzlich ging es darin um das Problem, dass Paketverarbeitung im Userspace relativ langsam ist. Was vor allem für Firewalls und andere zentrale Netzwerkgeräte, aber inzwischen auch für normale Server im Cloudumfeld relevant ist. Beispielsweise bei High Performance Computing oder Software Defined Networking. Wenn man neue Dinge probieren will und extreme Performance benötigt, scheint momentan XDP die beste Wahl zu sein. Aber der Vortragende ging auch auf andere Ansätze ein, z.B. die Applikation als Modul in den Linux Kernel hereinzuladen. Ziel davon ist, die Sprünge zwischen Kernel- und User-Space zu vermeiden, was wichtige Prozessorzyklen spart! Allerdings hat das auch den Nachteil, dass ein Applikationsfehler sehr einfach zu einer kompletten Kernelpanic führen kann. Ein anderer Ansatz ist, den Netzwerktreiber im Userspace zu implementieren und diesen direkt mit dem NIC kommunizieren zu lassen. Dieser wurde im Vortrag näher dargestellt. Dabei hat man die freie Wahl der Programmiersprache und ist nicht an C gebunden. Aber es kann nur noch eine Applikation auf die Netzwerkkarte zugreifen, da diese dann exklusiv für den Prozess der Applikation reserviert ist. Abgeschlossen wurde der Vortrag mit einem Implementierungsbeispiel für Intel Netzwerkkarten, welches auch auf GitHub zu finden ist.

Danach wurde es bei mir etwas politischer, in dem Vortrag “Uncovering British spies’ web of sockpuppet social media personas” wurden Geheimdienstaktivitäten im Netz betrachtet. Der Vortrag war dabei eher lustig ausgerichtet. Anscheinend gibt in einigen Gruppen so viele Agenten, dass die sich auch mal gegenseitig beschatten und eine Weile brauchen, um zu bemerken, dass sie gerade Katz und Katz, statt Katz und Maus spielen. Auch URL-Shortening Dienste werden gerne genutzt, um Nutzer zu “taggen”, in den Kurz-URLs lassen sich Metadaten verstecken und andere Trackingmaßnahmen realisieren. Gezeigt wurde das am Beispiel des Services lurl.me, auf dem fast nur politische Artikel verlinkt worden sind und das auch immer passend zu bestimmten Ereignissen im Nahen Osten. Am Ende gab es auch noch eine nette Empfehlung an die Geheimdienste:

Wenn ihr schon mit Fakeaccounts twittert, dann doch wenigstens mal außerhalb eurer Arbeitszeiten (9-5 von Mo-Fr), das machen normale Menschen auch!

Mit den Vorträgen ging es dann auch geladen weiter, mit den Leuten von Netzpolitik.org und einem Blick auf die aktuelle Wetterlage im Internet. Zuerst mit einem Hinweis, dass es nicht überall wie in Deutschland ist und andernorts Blogger oder Reporter auch mal im Gefängnis landen, nur weil sie ihre Meinung zu etwas äußern. Diese werden dann auch gerne als “Terrorverdächtige” eingestuft, damit man weniger Aufwand in den Gerichten produziert.
Weiter ging es mit Betrachtungen zu unser aktuellen Regierungsbildung, welche netzpolitisch wenig Hoffnung weckt. Auch im Zusammenhang mit den Snowden-Enthüllungen war bisher immer das Motto: “Das was die gemacht haben, das können wir noch viel besser!” und alle neuen Regierungsoptionen sehen eher nicht danach aus, als ob sich das ändern würde. Weiter wurde das Thema IoT eher als Gefahr betrachtet, es wird bald tausende Geräte geben, deren Updates und Sicherheitsvorkehrungen eher fragwürdig sind. Vom Gesetzgeber gibt es keine konkreten Vorgaben, um dies zu lösen. Positiv wurde die Abschaffung der Störerhaftung erwähnt, dies ermöglicht es endlich freie WLANs auch in Deutschland zu betreiben. Beim Internetzugang ging es aber auch gleich negativ weiter mit einem Blick auf StreamOn und Vodafone Pass, welche als klarer Angriff auf die Netzneutralität zu sehen sind! Gegen Ende gab es noch einen Ausblick auf viele positive Projekte, welche in Deutschland aktiv sind. Dazu gehören:

Am Ende folgte dann noch ein Apell:

Gib niemals auf! Mach mit! Digitale Rechte sind auch ein Kulturthema!

Nach diesem geladenen politischen Vorträgen stand es mir erstmal nachetwas tief technischem. Das beruhigt immer so schön. Also habe ich mir “BBSs and the early Internet” angesehen. Der Vortrag hat mich schön an meine Anfangstage im Internet erinnert. Die BBS Zeit habe ich zwar leider verpasst, aber ein Modem hatte ich auch noch als Haustier. Wer sich für alte Technik und Kultur im Internet interessiert, dem sei dieser Vortrag auf jeden Fall empfohlen. Im frühen Internet waren vor allem Mailboxen sehr beliebt und wurden stark genutzt. Eines der größten war das FIDOnet, welches 1996 bis zu 2 Millionen Nutzer hatte. Und eine Latenz von 1-2 Tagen war für Nachrichten normal, man fragt sich manchmal, was wäre, wenn das heute noch genau so wäre. Manch eine Diskussion auf Facebook wäre wohl überlegter und weitaus wertstiftender.
Als lustige Anekdote wurde dann noch erwähnt, dass der Datentransfer im Osten gelegentlich auch über Diskette im Brief erfolgt, weil das günstiger und schneller war. Beim Ausbau des Internets auf IP Basis waren später Universitäten und lokale Vereine lange führend und ohne Kontakte zu diesen, war es schwer teilzunehmen. Zum Glück hat sich das inzwischen geändert, so dass jeder Mensch die Möglichkeit hat mitzumachen.

Auf dem Weg zum nächsten Vortrag habe ich dann ein paar Kollegen getroffen und wir sind zusammen zu “Die Lauschprogramme der Geheimdienste” gegangen. Am Einlass gab es dann einen kurzen Schock, der Saal ist voll! Das stellte sich aber kurze Zeit später als Fake-News heraus, zum Glück, denn der Vortrag war sehr sehenswert. Der Vortragende war Hans-Christan Ströbele, welcher mit seinen fast 80 Jahren doch erstaunlich kompetent aufgetreten ist, so geht das also bei Politikern auch! Hauptsächlich ging es natürlich um den NSA Untersuchungsausschuss und die angrenzenden Themen. Erschütternd war dabei, dass viele zentrale Fragen noch ungeklärt sind und auch medial kaum noch beachtet werden. Dabei ist es so wichtig, dass das Grundrecht auf Privatsphäre erhalten bleibt und die aktuelle Angst vor Terrorismus nicht ausgenutzt wird, um Überwachungssysteme zu etablieren, die alle Bürger unter Generalverdacht stellen! Es ist auch unerklärlich, warum die an dem NSA Skandal beteiligten BND Mitarbeiter und Führungspersonen noch nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

Nach all den schwergewichtigen Themen habe ich mich sehr auf “Qualityland” von Mark-Uwe Kling gefreut. Wem der Name nicht sagt, dem seien die Känguru-Chroniken als Einstiegslektüre empfohlen. Mit seinem Sidekick “Boris das Biest” – welcher für die Gitarre und Security verantwortlich ist – hat er uns aus seinem aktuellen Buch vorgelesen und auch einige Worte an die Community geäußert. Weiter möchte ich nicht spoilern, einfach den Vortrag ansehen!

Beim nächsten Talk wurde es kompliziert, von vielen Freunden wurde mit der “The Ultimate Apollo Guidance Computer Talk” empfohlen, aber ich fand auch den “BGP and the Rule of Custom” Talk interessant. Letztendlich habe ich mich für BGP entschieden und dies nicht bereut, aber den Apollo Talk werde ich mir definitiv noch auf Video ansehen! Im Talk wurden die Entstehung und Funktion des BGP-Protokolls erklärt. Dabei wurde sehr großen Wert auf den Community Aspekt gelegt und wie dieser Monopole und verdeckte Absprachen vermeiden kann. Am Ende habe ich mir zwei sehr wichtige Gedanken behalten:

Mit großer Macht sollte viel Transparenz einhergehen.

Komplexität ist der Feind der Nutzer, Lösungen sollten einfach sein.

Am Ende des Tages, gegen 0 Uhr, hatte ich dann noch Lust auf etwas Philosophisches und habe mir “Die göttliche Informatik” angesehen. In diesem Vortrag wurden viele Fragen aufgeworfen, die sich eigentlich jeder stellen sollte, der an aktuellen Themen wie Künstliche Intelligenzen oder Big Data arbeitet. Als grundlegendes Problem  wurde angesprochen, dass die Informatik zur Zeit als die Gralslehre angesehen wird, die auf jedes Problem eine passende Lösung hat, ähnlich wie das im vergangen Jahrhundert mit der Kernphysik oder Biologie passiert ist. Generell hat dieser Vortrag mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet. Ist es z.B. gut sich in allem Handeln von der Sillicon Valley Ideologie führen zu lassen?  Sind Apps die Lösung, oder nur eine Einschränkung, die wir einfach nicht aus unseren Köpfen bekommen? Sollte man Angst vor Technologien, oder Angst vor Firmen, die diese Einsetzen, haben? Und ist unsere Technikgläubigkeit wirklich immer wertstiftend für die Gesellschaft?

Damit ging dann der erste Tag zu Ende und ich bin noch ein wenig über das Gelände gelaufen. Dabei stellte sich – wenig überraschend – heraus, das Hacker Nachtwesen sind. Ab 1 Uhr ging es hier erst richtig los mit Programmieren und interessanten Gesprächen. Aber ich war nach dem Tag leider schon zu fertig und bin wieder nach Hause gegangen.

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