DevOps

Cloud: Egal

Eines der wichtigsten Worte, das für mich zur Thematik Cloud gehören, ist egal. Es ist den großen Public-Cloud-Anbietern egal, ob wir ein Update in ihrem Service nützlich finden oder nicht. Es ist egal, ob wir andere SLA wollen und es ist auch egal, ob unser Business läuft. Wir erhalten ein Massenprodukt, dessen günstiger Preis durch eine völlige Standardisierung ermöglicht wird.

Dieses Geschäftsmodell bzw. diese Einstellung zum Kunden mag, wenn man sie sich bewusst macht, zunächst überraschend sein. Neu ist dieses Geschäftsmodell aber nicht. Jeder Stromlieferant, jedes Wasserwerk hat das gleiche Modell. Es werden uns als Kunden als Leistung zwar 230 Volt bei 50 Hertz angekündigt; ob diese Leistung wirklich erbracht wird, wird nicht zugesagt. Weil unsere langjährige Erfahrung besagt, dass Stromausfälle nur sehr selten sind, akzeptieren wir das. Im Gegenzug erhalten wir die Leistung sehr günstig.

Was geschieht, wenn die Leistung tatsächlich ausfällt? Aus Eigeninteresse – der Lieferant erhält nur Geld, wenn er liefert – wird er schnell dafür sorgen, dass die Lieferung wieder möglich ist. D. h. wir können mit kurzen Ausfallzeiten planen. Wir können allerdings auch nicht hoffen, dass wir eine Wiederherstellung beeinflussen, beschleunigen können. Es liegt im alleinigen Ermessen des Anbieters ohne Einflussnahme durch uns.

Die wenigen Nutzer, die wirklich nicht ohne Strom auskommen, bauen sich ihre Absicherung selbst; eine USV, ein Dieselgenerator oder einen komplett redundanten Standort. Gleiches gilt für unsere IT-Leistungen. Auch hier können wir Redundanzen vorher planen oder kurzfristig aktivieren. Das verlangt natürlich nach angepassten Strategien.

An einer Stelle verlangen die Public-Cloud-Anbieter allerdings mehr von ihren Kunden, als der typische Stromlieferant. Bei Strom darf ich mich darauf verlassen, dass die Leistung 230 Volt bei 50 Hertz sind. Nur wenn ich von einem Land in ein anderes reise, gibt es Umstellungen. Die fortlaufenden Updates, Patches und Release-Wechsel auf den Plattformen zwingen den Kunden zur ständigen Prüfung und Anpassung. Hier haben wir ein weiteres egal. Auch das akzeptieren wir wenn die Konditionen entsprechend günstig ist – und wenn wir glauben, dass wir das Handhaben können. Hier treten durchaus Schwierigkeiten auf; wenn meine Anwendung beispielsweise nicht mit der neuen Version der Datenbank zu recht kommt. Wer sich hier vorher einen Plan zurecht legt, kann dieses Risiko eingehen. Andere hat es schon sehr in Bedrängnis gebracht.

Für den Nutzer von Cloud-Leistungen bedeutet dies, er muss das Egal in seiner Nutzung bedenken. In Relation zu seinen eigenen Zielen ist es notwendig angepasste bzw. neue Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen. Das ist weder überraschend noch neu in der Nutzung von IT-Diensten. In der Betrachtung von Cloud-Leistungen geht dieses Moment allerdings in der Wahrnehmung oft unter.

1 comment

  1. Matthias

    Das Thema ist sehr schön verdeutlicht! Solange ich mich bewusst mit den möglichen “Folgen” bzw. Konditionen identifizieren kann ist die Welt bunt 🙂
    Danke

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